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Neue Thesen aus dem Zuber der Liebe

Karikaturen von Alfred Mogelseng

Wenn in winterlich kalten Nächten in den Stuben der Bürger die Heizungen zwei Grad weniger aufgedreht werden, sitzt der Künstler Alfred Mogelseng bei Kerzenschein und Tee vor einem weißen Blatt Papier, in seiner Hand ein Stift. Ihm erscheint die Muse in Form einer jungen Frau mit goldenem Haar und einer Flasche Spirit. Umgehend beginnt sein Zeichenstift zu rotieren. Es reiht sich Figur an Figur zu einem Cocktail der Heiterkeit. Zum Glück greift bald die Spaßpreisbremse …

In seiner lang herbeigesehnten Ausstellung verkündet Mogelseng nun also in der Galerie Forum K zu Plauen „Neue Thesen aus dem Zuber der Liebe“. Das sind in erster Linie aktuelle Arbeiten, locker durchsetzt von bis dato noch nie in der Öffentlichkeit gezeigten Werken aus früheren Schaffensperioden. Dabei setzt er sich in seiner Doppelfunktion als Postästhet stilistisch keinerlei Grenzen – Acrylmalerei besteht neben Buntstift auf Amtsschreiben. Auch läutet Mogelseng höchstselbst das große Finale zum Stadtjubiläum „900 Jahre Plauen“ mit einem völlig überdimensionierten und exklusiven Wandwimmelbild ein, welches erst im Verlauf der Ausstellung fertiggestellt wird. Der Künstler kann während der Arbeit zeitweilig behelligt werden. Überdies zeichnet er für die Gestaltung der Premieren-Serie der neuen Forum-K-Schecks verantwortlich, die ab der Vernissage als „Harte Währung: Kunst“ erhältlich sind (Zwangsumtausch).

Vita
1965 – geboren in Bad Elster
1971 – Einschulung, wenig später Fahrradunfall, seither Ablehnung sportlicher Betätigung
1974 – erfolgreiche Teilnahme an der Mathematikolympiade; Hinwendung zu den schöngeistigen Musen jeglicher Couleur
seit 1981 – Tätigkeit in verschiedenen Berufen: Krankenwärter, Hörbuchautor, Vinyldealer, Jazzmusiker, Poet, Maler und Zeichner, Milieustudent, diverse Frauengeschichten, Rückzug ins Privatleben
1995 – beobachtendes Studium der Plauener Kunstszene, keinerlei Erkenntnisse
2000 – gemeinsam mit dem Plauener Zeichner Wolfgang Trugant wird der illustrierte Gedichtband „Der Aal im Geigenteich – Gedichte und Zeichnungen von Lust und Unlust“ herausgegeben; ein bescheidener lokaler Erfolg zeichnet sich ab
2003 – Hinwendung zur Musik, mit dem Pionier der elektronischen Musik Art Plastic Gründung der Experimentalgruppe Art Plastic Trio
2005 – Auflösung des Art Plastic Trios, laut Mogelseng wurde Art Plastic die Musik zu kommerziell; die Namensrechte bleiben jedoch bei Mogelseng
2008 – nach Schaffenspause wieder Beschäftigung mit der Malerei, kleinere Ausstellungen im europäischen Raum
weitere musikalische Projekte, unter anderem mit der Jazzrockband P.I.M.P.
2010 – nervenaufreibender Prozess: Art Plastic will die Namensrechte am Art Plastic Trio einklagen; Mogelseng ist finanziell am Ende, hält sich mit Landschaftsaquarellen und Mundharmonikaunterricht über Wasser
2013 – Art Plastic erscheint nicht zum Gerichtstermin, die Namensrechte der Musikgruppe bleiben also bei Mogelseng, Art Plastic wurde seitdem nicht mehr gesehen
2014 – kleinere Zeichnungen, aber keinerlei Ausstellungen
2017 – Mogelseng traut sich wieder an die Öffentlichkeit
2018 – neue Techniken in der Malerei werden konsequent angewandt; zunehmend intensive Beschäftigung mit der Musik
seit 2019 – produktive Schaffensperiode; erneut Frauengeschichten, welche sich fruchtbar auf seinen Schaffensprozess auswirken

Events
Freitag, 09.12.2022 II Vernissage „Neue Thesen aus dem Zuber der Liebe“ – Karikaturen von A. Mogelseng
Beginn: 19:30 Uhr II Performance: Electrofuzzy & The Black Frogs

Mittwoch, 21.12.2022 II Weltraum e.V. präsentiert: „Buntstift & Bier“
Beginn: 19:30 Uhr, Live: Marius Leicht

Freitag, 13.01.2022 II Offener Talk: „Reden wir mal über … Währung“
Beginn: 19:30 Uhr

Samstag, 14.01.2023 II Finissage
Beginn: 19:30 Uhr, Musik: Jens-Uwe Soul

Laudatio
von Prof. Dr. Dr. Günther Jungwandel (emeritiert, im Exil)
„Lauthals eruptiertes Gelächter, sinnentleertes Grunzen, mühsam hervorgewürgte Kontextualität und ignorantes Schulterzucken – wohl nichts liegt weiter auseinander bei der Betrachtung zeitgenössischer Kunst. Mogelseng jedoch schafft es, und damit stellt er tatsächlich eine absolute Ausnahme in meiner langjährigen Berufslaufbahn dar, dies in einem einzigen Moment zu vereinen. Dafür genügen ihm schon eilig hingeworfene Bleistiftstriche auf postfrischem Behördenpapier, notdürftig koloriert, lakonisch betextet. Als sei die tragische Figur des Hegelschen Davids schließlich doch noch ihrem gesellschaftlichen Trauma entkommen, ein postmortaler Triumph über den Goliath ihrer eigenen Dämonen qua art, sozusagen.

Man kann das gutheißen – ich kann es nicht. Zu lange schon begleitet mich das Schaffen Alfred Mogelsengs, als das es sich in Kategorien von gut oder schlecht denken ließe. Tatsächlich muss hier ein anderer Maßstab zu Rate gezogen werden, will man das Wesen seines Werks ergründen. Es ist ein ständiges Changieren zwischen Genius Invictus und abgründiger Abscheu – und das hat nichts mit der persönlichen Bekanntschaft zu tun, die aus einstiger früher Freundschaft, ja inniger Bewunderung durch die Untiefen des Schicksals jäh umschlug in unverhohlene Dissonanz, nicht zuletzt auch befeuert durch meinen, das muss ich an dieser Stelle selbstkritisch anmerken, eben durch mein Protegat Mogelsengs verursachten akademischen Sturz und damit Sargnagel meiner Karriere. Doch darüber bin ich hinweg, die Mediation im Exil hat diese Wunden des Egos geheilt und ich kann mich heute wieder mit aller gebotenen Distanz und nüchternen Sachlichkeit dem Mogelsengschen Oeuvre zuwenden.

Fotos: Kenny Pool

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